Neubeginn
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Ein Neubeginn heißt, tief und ehrlich auf uns selbst zu
schauen, auf unsere vergangenen Handlungen, Worte und
Gedanken, und einen frischen Anfang in uns selbst und in
unseren Beziehungen zu anderen zu schaffen. In
Praxiszentren praktizieren wir den Neubeginn alle zwei
Wochen als Gemeinschaft oder individuell, so oft wir möchten.
Wir üben den Neubeginn, um unseren Geist zu klären und
unsere Praxis frisch zu halten. Wenn Schwierigkeiten in
unseren Beziehungen zu Mitpraktizierenden auftreten und
eine/r von uns Groll oder Verletzung fühlt, wissen wir, dass es
Zeit ist, einen Neubeginn zu machen. Im Folgenden ist der
vierteilige Prozess des Neubeginns beschrieben, wie er in
einem formellen Setting angewendet wird. Eine Person spricht
jeweils und wird während ihres Beitrags nicht unterbrochen.
Die anderen Praktizierenden üben tiefes Zuhören und folgen ihrem
Atem.
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Blumen wässern
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Dies ist eine Gelegenheit, unsere Wertschätzung für die andere Person auszudrücken. Wir können spezifische Momente erwähnen, in denen die andere Person etwas gesagt oder getan hat, das wir bewundert haben. Dies ist eine Gelegenheit, das Gute und die positiven Beiträge des anderen zur Gemeinschaft (Sangha oder Familie) hervorzuheben und das Wachstum seiner oder ihrer positiven Qualitäten zu fördern.
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Bedauern mitteilen
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Wir können ungeschickte Handlungen, Worte oder Gedanken erwähnen, für die wir noch nicht die Gelegenheit hatten, uns zu entschuldigen.
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Verletzung ausdrücken
Wir können mitteilen, wie wir uns durch eine Interaktion mit einer anderen Person verletzt fühlten, sei es durch deren Handlungen, Worte oder Gedanken. (Um eine Verletzung auszudrücken, sollten wir zuerst die Blumen des anderen bewässern, indem wir zwei positive Qualitäten teilen, die wir wahrhaftig in ihm oder ihr beobachtet haben. Die Äußerung einer Verletzung erfolgt oft im Einzelgespräch mit der betroffenen Person, nicht unbedingt in der Gruppe. Falls gewünscht, kann auch eine dritte Person hinzugezogen werden, der beide vertrauen und von ihnen respektiert wird.)
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Längerfristige Schwierigkeiten mitteilen & um Unterstützung bitten
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Manchmal treten in uns Schwierigkeiten und Schmerz aus der Vergangenheit auf, die sich in der Gegenwart manifestieren. Wenn wir ein Thema teilen, mit dem wir gerade zu kämpfen haben, können die Menschen um uns herum uns besser verstehen und die Unterstützung anbieten, die wir wirklich brauchen.
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Die Praxis des Neubeginns hilft uns, unsere freundlichen Worte und mitfühlendes Zuhören zu entwickeln. „Neubeginn“ ist eine Praxis der Anerkennung und Wertschätzung der positiven Elemente innerhalb unserer Sangha. Zum Beispiel können wir bemerken, dass unser Mitbewohner großzügig seine Einsichten teilt oder dass eine andere Freundin besonders fürsorglich mit Pflanzen umgeht.
Die positiven Eigenschaften der anderen zu erkennen, hilft uns auch, unsere eigenen guten Qualitäten zu sehen. Neben diesen guten Eigenschaften haben wir jedoch auch Schwächen, wie z. B. das Sprechen aus Ärger oder das Gefangensein in unseren falschen Wahrnehmungen. Wenn wir das "Blumenwässern“ üben, unterstützen wir die Entwicklung guter Qualitäten im anderen und helfen gleichzeitig, die Schwierigkeiten der anderen Person zu mildern. Wie in einem Garten: Wenn wir die Blumen der Liebe und des Mitgefühls in einander bewässern, nehmen wir auch die Energie aus den Unkräutern von Wut, Eifersucht und Fehlwahrnehmung.
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Wir können den Neubeginn täglich üben, indem wir unsere Wertschätzung für unsere Mitpraktizierenden ausdrücken und uns sofort entschuldigen, wenn wir etwas tun oder sagen, das sie verletzt. Wir können auch höflich den anderen mitteilen, wenn wir selbst verletzt wurden. Die Gesundheit und das Glück der gesamten Gemeinschaft hängen von der Harmonie, dem Frieden und der Freude ab, die zwischen jedem Mitglied in der Sangha bestehen.
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Friedensvertrag:
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