Artikel


Neuigkeiten über den Gesundheitszustand von Thay: 28. Juni 2015

Wir sind glücklich, Euch mitzuteilen, dass Thay seit er im April nach Plum Village zurückgekehrt ist, große Fortschritte gemacht hat. Jeden Tag war Thay draußen in der Natur. Er erfreute sich an den Blüten, am Vogelgesang und ruhte am Fuße eines Baumes. Thay liegtgerne in seiner Hängematte in der Nähe des Bächleins und in der Kühle des Bambushaines, den er vor mehr als 30 Jahren gepflanzt hat.

Ärzte und Pflegerinnen besuchen Thay weiterhin und er erhält jeden Tag
Physiotherapie, Massage und Akupunktur. Das Begleitteam unterstützt und sorgt weiterhin rund um die Uhr für seine Bedürfnisse. Trotz seines fortgeschrittenen Alters hat Thay bemerkenswerte Fortschritte gemacht.

Eines Tages entschied Thay selber, dass er nun bereit sei, wieder festes Essen zu schlucken und wies sein Team an, ihm einen Apfel, dann eine Zitrone und danach eine Avocado zuzubereiten. Mit großer Freude genoss Thay jeden Bissen, indem er ihn mindestens 40 Mal kaute, bevor er ihn schluckte. Alle waren sehr überrascht. Thays Achtsamkeit, Konzentration und Freude, das Essen wirklich zu genießen, war bemerkenswert. Seit diesem Tag freut sich Thay, dass er sich mit großer Konzentration und Entschlossenheit selber ernähren kann. Die Schwestern haben mit viel Liebe und Kreativität verschiedene gesunde Mahlzeiten für ihn bereitet, die er mit Vergnügen isst. Sobald Thay sich selber ernähren konnte, überraschte er die Ärzte, indem er seine Nahrungsssonde ohne Komplikationenselbst entfernte. Thay lächelte und wir alle lächelten.

Kürzlich hat Thay begonnen, seine Lautäußerungen zu entwickeln, indem
er einstimmte, wenn seine Begleiter sangen. Das erste Mal, als das geschah, sang eine der Schwestern auf vietnamesisch den Namen von Avalokita, der Bodhisattva des großen Mitgefühls. Thay sprach plötzlich die letzte Silbe „Am“ klar und genau aus. Wunderbarerweise bedeutet das Wort „Am“ Ton, Laut oder Klang. Thay schaute uns alle an, seine Augen leuchteten, als wollte er sagen, „Alles ist möglich“. Es war ein sehr bewegender Moment und die Begleiter versammelten sich alle, um mit Thay weiter zu singen. Seit dem ersten „Am“ erfreut sich Thay täglich am Singen und Summen aller bekannten Lieder aus Plum Village auf vietnamesisch, englisch und französisch. Derzeit kann Thay die Melodie summen und ab und zu kann er ein Wort formulieren. Er hebt seine Arme an, um die Bedeutung der Tonlinie auszudrücken und hat große Freude und ist jedes Mal überrascht, wenn er ein klares Wort formulieren kann.

Thays Therapeuten sind sehr überrascht über seinen starken Genesungswillen und haben uns gesagt, dass dies der wichtigste Faktor für seine Rehabilitation sei. Thay ist sehr entschlossen, sich selber zu trainieren, so dass er seine physische Kraft, sein Gleichgewicht und seine Körperhaltung wieder herstellen kann. Thay weiß sehr genau, was er machen will und was nicht. Er kann jetzt alleine sitzen – wunderschön aufrecht.

In den letzten 3 Wochen wollte Thay auch mit Gehen beginnen, obwohl seine rechte Seite gelähmt bleibt. Mit der Unterstützung eines Begleiters hinten und eines Begleiters zu seiner Rechten, praktiziert Thay nun mehrmals am Tag Gehmeditation im Garten. Wir können Thays Entzücken und in jedem Schritt, den er macht, die Freiheit spüren. Auch wenn es eine große Anstrengung
ist, können wir sehen, dass für Thay jeder Schritt ein Erfolg ist, eine
Bejahung des Lebens und der Freude, lebendig zu sein auf dieser wunderschönen Mutter Erde.

Von Zeit zu Zeit kommt die ganze Gemeinschaft von 150 Nonnen und
Mönchen, um mit Thay Gehmeditation zu praktizieren. Letzte Woche konnten wir Thays Freude spüren, seine Schüler zu sehen und sein Glück, die Sangha in der Gehmeditation zu führen. Thay zeigte zum blauen Himmel, zum schwankenden Bambus, zum Lächeln eines Bruders und wies uns damit an, den gegenwärtigen Moment zu genießen. Thays Mut, Entschlossenheit und Freude trotz seiner physischen Beschränkungen, war eine klare Lehre für alle Anwesenden,
als wir mit unseren zwei gesunden Beinen hinter ihm gingen. Mit jedem
Schritt demonstrierte Thay, dass er mit der Praxis fortfahren wird, wie auch
immer die Umstände sind. Thay bestätigte, dass er nie den Pfad verlassen würde. Er ermutigte uns, auf dem Weg zu bleiben und die Wunder des Lebens zu genießen.

Wir möchten allen für die liebevolle Unterstützung für Thay und die Sangha in diesen vergangenen Monaten danken. Wir sind sehr dankbar für Eure Energie des Mitgefühls, für die Gebete und für Eure Zusage, mit dem achtsamen Praktizieren für Thay fortzufahren. Einen speziellen Dank an diejenigen, die uns für Thays Zimmer wunderschöne Kinderzeichnungen gesandt haben und für diejenigen, die uns von Herzen kommende Spenden zukommen ließen, damit wir Thay unterstützen können.

Der Lotus blühen in unseren Teichen, die Pflaumen reifen in unseren
Obstgärten und wir bereiten unsere Hamlets vor, damit wir die Gäste für das Sommer-Retreat begrüßen können; etwa 800 Menschen jede Woche, für einen ganzen Monat. Das Sommer-Retreat ist eine der Zeiten im Jahr, die Thay besonders liebt. Wir werden Familien und Kinder begrüßen und die
Dharmavorträge werden von Thays Fortsetzung in der Form seiner älteren
Dharmalehrer gegeben werden. Im Schatten unter der Eiche, im Bambushain und auf den Veranden wird es am späten Nachmittag viele Gruppen geben, die sich tief miteinander austauschen. Herzen werden offen sein, Tränen werden vergossen werden und der Klang der Glocke wird ertönen.

Vor 9 Jahren wurde Thay gefragt:
„Sie werden in diesem Jahr 80 Jahre alt. Planen Sie, sich als spiritueller Lehrer irgendwann zurückzuziehen?“

Dies ist die Antwort, die Thay gab:
„Im Buddhismus sind wir überzeugt, dass die Belehrung nicht nur durch
Worte erfolgt, sondern auch durch die Art, in der wir leben. Unser Leben ist die Lehre, die Botschaft. Und da ich weiterhin sitzen, gehen und essen werde und mit der Sangha und anderen Menschen interagiere, werde ich weiterhin lehren, auch wenn ich bereits meine älteren Schüler ermutigt habe, mich bei den Dharma-Vorträgen zu ersetzen. In den letzten beiden Jahren habe ich Dharmalehrer – nicht nur aus dem monastischen Kreis, sondern auch Laien – ermutigt, zu kommen und Dharmavorträge zu geben. Viele von ihnen haben wunderbare Dharmavorträge gegeben. Einige Dharmavorträge waren besser als meine.
Ich sehe mich in meiner Fortsetzung und ich werde mich nicht zurückziehen. Ich werde weiterhin lehren, wenn nicht mit Vorträgen, dann mit meiner Art zu sitzen, zu lächeln und mit der Sangha zu sein. Ich liebe es, mit der Sangha zu sein. Auch wenn ich keinen Dharmavortrag gebe, teile ich sehr gerne Gehmeditation, Sitzmeditation und achtsames Essen mit der Sangha. Also machen Sie sich keine Sorgen. Wenn Menschen die Praxis erleben, werden sie inspiriert. Sie brauchen nicht zu sprechen, um zu lehren. Sie müssen Ihr Leben achtsam und tief leben. Danke.“

Diese inspirierenden Worte sind unser Kompass beim Vorbereiten und
Leiten der Retreats für Tausende von Menschen in den kommenden Monaten: Hier in Plum Village im Sommer; im EIAB, Deutschland im August und auf der „Miracle of Mindfulness Tour“ in den Vereinigten Staaten im Herbst. Bitte begleitet uns.

Mögt Ihr die Gegenwart derer genießen, die Ihr liebt und jeden Schritt
den Ihr gemeinsam geht.

Mit Liebe und Vertrauen
Die Mönche und Nonnen von Plum Village